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Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Kirche Ludwigsdorf

(26.10.2005) - Bislang wurde die Ludwigsdorfer Kirche in die erste oder sogar zweite H√§lfte des 13. Jahrhunderts datiert. Ausschlaggebend daf√ľr waren stilistische Gr√ľnde. Einerseits entspricht der Bauk√∂rper in seiner urspr√ľnglichen Gestalt ‚Äď der Chorturm ist eine sp√§tere Aufstockung ‚Äď noch der f√ľr die Romanik typischen H√∂hen- und auch Breitenstaffelung von der Apsis √ľber den Chor bis hin zum Saal. Doch verweisen andere Bauglieder in die √úbergangszeit zur Gotik, die sich in unserer Region wohl √ľber mehrere Jahrzehnte etwa ab der Zeit um 1230 vollzog. Zu diesen Bauelementen geh√∂rt das in den 1990er Jahren wieder freigelegte Portal an der S√ľdseite des Saales, ein Rundbogenfenster in der n√∂rdlichen Chorwand, dem au√üen schon ein Spitzbogen vorgeblendet ist, und schlie√ülich auch der Triumphbogen, der mit seiner Parabelform ebenfalls schon zum gotischen Formenrepertoire geh√∂rt.



Durch die Altersbestimmung der Dachwerke von Saal und Turm konnten jetzt allerdings exakte Baudaten ermittelt werden, die weit vor den bisher vermuteten liegen. Bei diesem Dendrochronologie genannten Verfahren wird mit Hilfe von Bohrkernen die Jahrringabfolge eines Holzbauteils ermittelt, das nachweislich zur urspr√ľnglichen Konstruktion geh√∂rt. Hierbei macht man sich zu Nutze, dass durch j√§hrlich wechselnde Klimaeinwirkungen und deren Einfluss auf das Wachstum √ľber mehrere Lebensjahrzehnte des Baumes eine ganz spezifische Breiteabfolge von Jahrringen entsteht. Diese kann mit Hilfe von regionalen Vergleichswerten genau datiert werden, sodass auf diese Weise der Wachstumszeitraum und das F√§lljahr des Baumes ermittelt werden kann.



F√ľr das Dachwerk des Turms ergab sich als F√§lldatum des verbauten Holzes das Jahr 1175. Da es Hinweise darauf gibt, dass das Holz im frischen Zustand eingebaut wurde, ist davon auszugehen, dass die Dachkonstruktion wohl schon bald darauf, vielleicht schon 1176 errichtet wurde. Nun wissen wir jedoch anhand von Baufugen im Innern des Turms, dass dieser erst sp√§ter in Form einer Aufstockung des Chores entstand. Die urspr√ľngliche Chorh√∂he lag zwischen der der Apsis und der des Saales. Offenbar wurde im Rahmen der Aufstockung das alte Dachwerk des Chores als Abschluss des neu errichteten Turmes wiederverwendet. Wann diese Erh√∂hung des Turmes vorgenommen wurde, ist bislang leider noch unbekannt. Zwar ist damals eine h√∂lzerne St√ľtzkonstruktion f√ľr das Dachtragwerk errichtet worden, doch lie√ü sich diese bislang noch nicht genau datieren. F√ľr die H√∂lzer der Dachkonstruktion √ľber dem Saal konnten als F√§lljahre 1191 und 1192 ermittelt werden. Auch dieses Holz wurde frisch eingebaut, sodass der Saal offenbar in den fr√ľhen 1190er Jahren bereits fertig gestellt war.



Durch die j√ľngsten Untersuchungen muss die Erbauung des Gotteshauses nicht nur deutlich vordatiert werden, es lie√üen sich auch andere interessante Erkenntnisse zur schrittweisen Entstehung des Baus gewinnen: Offenbar wurde in den 1170er Jahren zun√§chst der Chor mit seiner Apsis errichtet. Baubeginn des Saales war erst 15 bis 20 Jahre sp√§ter. M√∂glicherweise behalf man sich in dieser Zwischenzeit mit einem h√∂lzernen √úbergangsbau. Ein Nachweis hierf√ľr gibt es bislang allerdings nicht und k√∂nnte allenfalls arch√§ologisch erbracht werden. Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt wurde der Chor dann zu einem Turm aufgestockt. Dies bislang in die Erbauungszeit datierten Elemente mit stilistischen √úbergangsformen zur Gotik entstammen offenbar einer j√ľngeren Bauphase im 13. Jahrhundert. Damit hat sich die Entstehung der Ludwigsdorfer Kirche als deutlich differenzierter erwiesen als bislang angenommen. Gleichzeitig gibt dies neuen Aufschluss auf welche Art sich der Kirchenbau in den neu entstandenen D√∂rfern der westlichen Kolonisten vollziehen konnte. Nicht zuletzt bleibt festzuhalten, dass die beiden Ludwigsdorfer Dachwerke zu den √§ltesten bekannten Dachwerken der Bundesrepublik z√§hlen und allein deswegen schon einen herausragenden Wert besitzen.



Dietmar Ridder

Denkmalschutzbehörde Görlitz

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Quelle: www.ev-kirche-ludwigsdorf.de
Die Internet-Seite der Evangelischen Kirchengemeinde Ludwigsdorf.